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Vor 55 Jahren

Elektifizierung der rechten Rheinstrecke von Wiesbaden bis Oberlahnstein

Sonntag, 01.10.1961: Start in den Winterfahrplan 1961/62. Für den Güterverkehr bei der Deutschen Bundesbahn gibt es eine gute Neuigkeit: Aufnahme des elektrischen Betriebes auf der rechten Rheinstrecke zwischen Wiesbaden Hbf. und Oberlahnstein. Dort führt der Fahrdraht bis in den nördlich des Güterbahnhofes gelegenen Personenbahnhof (Strecken-Km 121,9) hinein. Beteiligt an dieser Infrastrukturmaßnahme waren die damaligen Bundesbahndirektionen (BD) Frankfurt (M) auf dem hessischen und Mainz auf dem rheinland-pfälzischen Abschnitt dieser Strecke.

Bereits zwischen Juni 1958 und April 1959 war die linke Rheinstrecke Ludwigshafen – Mainz Hbf. – Bingerbrück – Koblenz – Remagen – Köln in drei Etappen auf elektrischen Oberleitungsbetrieb übergegangen. Zu diesem Zeitpunkt dominierte auf der rechtsrheinischen „Rollbahn“ für den Güterverkehr von Duisburg-Wedau über Köln-Kalk Nord, Gremberg, Troisdorf, Oberlahnstein bis Mainz-Bischofsheim noch die Dampftraktion. Doch „der Fahrdraht“ näherte sich vom Main her und verband seit Januar 1961 die Städte Frankfurt und Wiesbaden. Im Laufe des Jahres 1960 hatten bereits die Elektrifizierungsarbeiten zwischen Wiesbaden und Oberlahnstein begonnen. Deren Trassierung gestaltete sich aufwendig, da für den Roßstein- und den Loreleytunnel jeweils eine neue Tunnelröhre errichtet werden musste: Das durch die Oberleitung vergrößerte Profil des lichten Raumes ließ zweigleisigen Betrieb in den alten Tunnelröhren nicht zu.

Als endlich der Strom zwischen Wiesbaden und Oberlahnstein eingeschaltet werden konnte, war es betrieblich erstmals möglich, von Norden kommende Güterzüge im Oberlahnsteiner Güterbahnhof auf elektrische Traktion – damals vor allem die Ellok-Baureihe E 40 – umzuspannen, sofern die Züge mit Ziel Frankfurt (M) oder darüber hinaus verkehrten. Für Mainz-Bischofsheim bestimmte Güterzüge mussten weiterhin mit Dampf bespannt werden.

Der Güterbahnhof Oberlahnstein hatte bis 1983 eine Gleisverbindung zur Lahntalbahn und lag damit an zwei Hauptbahnen. Hier verkehrten Durchgangsgüterzüge (Dg) von und nach dem Güterbahnhof Gießen-Bergwald. Außerdem befand sich mit der Güterabfertigung (Ga) als Dienststelle des Verkehrsdientes eine der größten Umladestellen im Stückgutverkehr der Deutschen Bundesbahn am Ort. Nach Auflassung des Rangierbahnhofes Oberlahnstein im Jahre 1997 verfiel dieser in einen „Dornröschenschlaf“ der mit dem Abbau der Anlage in den Jahren 2015/16 endete.

Die Streckenelektrifizierung jedoch war eine „Fortsetzungsgeschichte“: Ab dem 3.2.1962 hing der Fahrdraht von Oberlahnstein über Niederlahnstein und die Abzweigstelle Horchheimer Brücke bis Koblenz Hbf. Mit Beginn des Sommerfahrplans 1962, am 27.5.1962, konnte dann auf dem Nordabschnitt der rechten Rheinstrecke zwischen Duisburg-Wedau (über die Güterzugtrasse) und Niederlahnstein elektrisch gefahren werden. Das traditionelle Bahnbetriebswerk Oberlahnstein, Heimat von Güterzug-Dampflokomotiven und Akkumulatorentriebwagen, verlor mit diesem Schritt schlagartig seine bis dahin große Bedeutung in der Zugförderung auf der rechten Rheinstrecke. Heute, im Herbst 2016, erinnert nur noch eine zweigleisige Wagenhalle, ab 1913 für die preußischen ETA der Bauart „Wittfeld“ errichtet, in der Lahnsteiner Bodewigstraße an dieses Stück Eisenbahngeschichte.

Literaturempfehlungen (in Auswahl):

Scharf, Hans-Wolfgang:
Zahlen – Daten – Fakten. Das DB-Jahr 1961.
In: Die DB vor 25 Jahren. Freiburg 1986, S. 95-146, hier besonders: S. 115.
(Eisenbahn-Kurier Spezial 6)

Kandler, Udo:
Die rechte Rheinstrecke.
Fürstenfeldbruck 1992, hier besonders: S. 70, 72.
(Eisenbahn-Journal, Sonderausgabe III/92)